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  • 1kusch, 1gusch, Interjektion
    1. 1. Befehl an einen Hund, sich zu ducken und mit dem Bellen aufzuhören
      1. ● ⟨kusch machen⟩
    2. 2. [A, übertragen, oft verächtlich] Aufforderung, still zu sein (und zu tun, was von einem verlangt wird)
    3. 3. [seltener] verwendet, um vor allem Tiere zu verscheuchen, vertreiben

  • 2kusch, 2gusch, Adjektiv
    1. [meist A] still, ruhig
      1. ● [übertragen] ⟨kusch sein, sich kusch halten⟩

kusch

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GrammatikInterjektion
Nebenform A gusch
Aussprache  [kʊʃ] [gʊʃ]
Wortbildung  mit ›kusch‹/›gusch‹ als Grundform: 2kusch / 2gusch
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Befehl an einen Hund, sich zu ducken und mit dem Bellen aufzuhören
Beispiele:
Die Tür wurde aufgerissen und ein mächtiger Wolfshund sprang heraus, um mich sofort mit geifernd aufgerissenem Maul zu verbellen. […] Da kam auch schon eine stattliche Frau hinterhergeeilt. »Kusch, Rex, kusch [Landshuter Zeitung, 20.09.2017]
Das Befolgen der wichtigsten Regeln wie »Fuß, Platz, kusch und hol’s« beherrschen die meisten [Hunde] bei regelmäßigem Training und einer Belohnung durch Leckerli oder ein paar Streicheleinheiten bereits nach wenigen Tagen. [Artgerechte Haltung von einem Mann …, 18.07.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
[…] Rainer Werner Fassbinder, dem er [der Regisseur Peter Zadek] in leidenschaftlicher Hassliebe zugetan war und den Zadek nach Bochum geholt hatte, kaufte sich eigens einen Boxer‑Rüden, den er auf den Namen Zadek taufen und auf den Fluren des Theater herumkommandieren konnte: Zadek, sitz! Zadek, kusch! Zadek, Platz! [Leipziger Volkszeitung, 31.07.2009]
kusch machen (= sich ducken und aufhören zu bellen (von Hunden)) (= (über Unangenehmes) schweigen und sich anpassen, unterordnen (von Menschen))
Beispiele:
»Ich habe mein Leben lang kusch gemacht«, erzählt sie leise am Gartentor, während ihr Mann schon rügende Blicke aus einem Liegestuhl auf sie richtet. [Die Zeit, 11.10.1968]
@chrisss77 mach gusch[Du hast] 0,0000000 Ahnung [Wenn es um nichts mehr geht, 24.04.2010, aufgerufen am 31.08.2020]
Herr, Frau und vor allem Junior Österreicher lassen mehr als eine halbe Million Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Mäuse durch die vier Wände wuseln. Stehen drauf, wenn 720.000 Wuffis auf Kommando »sitz«, »Platz« und »kusch« machen (oder auch nicht) – und teilen Couch und manchmal auch Bett vorzugsweise mit Stubentigern[…]. [Kleine Zeitung, 29.03.2007]
bildlich Die jungen Wilden kämpften mit Kraft für einen deutschen Alleingang bei einer Energiesteuer, an der Seite von Grünen und Umweltschützern. Doch das Projekt erregte den Zorn der Industrielobby und stieß in der CDU, besonders aber in der CSU, auf unerwartet großen Widerstand. Ploff – und die Minenhunde machten kusch. Seither geben sie zum Thema einer grünen Steuer kaum einen Laut mehr. [Der Spiegel, 29.07.1996]
bildlich[…] Revolte darf nicht gemacht werden, das ist verboten, der Hund hat kusch zu machen. [Conrad, Michael Georg: Die Beichte eines Narren. Leipzig 1894]
2.
A , übertragen, oft verächtlich Aufforderung, still zu sein (und zu tun, was von einem verlangt wird)
Beispiele:
Das letzte Mal, als er einen Uniformierten um die Dienstnummer gebeten hat, schnauzte der zurück: »Die kriegen Sie nicht. Und jetzt kusch [Profil, 15.05.2000]
Womit er klar gemacht hat, was sein größter Wunsch wäre: Unterwürfigkeit. Und kusch! [Vorarlberger Nachrichten, 30.06.2018]
Acht Tage nach einer solchen Niederlage zu sagen, gusch, es darf niemand mehr etwas sagen, wäre falsch. […] Denn Diskussionen, die jetzt unter den Teppich gekehrt werden, […] würden später wohl erst recht wieder auftauchen. [ORF, 10.10.2005]
Dabei lügt uns die Verfassung mit »Alle Macht geht vom Volke aus« brutal an und der Herr NR‑Präsident hat es uns ordentlich gegeben. Ihr dürft ohnedies alle vier Jahre wählen – und sonst kusch! [Kleine Zeitung, 11.07.2003]
Also gusch, Leute[.] Schweigen ist Gold. [Salzburger Nachrichten, 13.12.1997]
3.
seltener verwendet, um vor allem Tiere zu verscheuchen, vertreiben
Synonym zu ksch (1), ²sch
Beispiele:
Verflucht, ein Vogel nistet auf der Linse meines molekularen Supertodeslasers. Kusch, kusch, runter da! [Chronologie eines Weltzerstörungsversuchs, 07.04.2010, aufgerufen am 01.09.2020]
scherzhaft Dies ist eine Seite für Erwachsene, also ab mit euch, kusch, kusch, sonst gibts nen Tip an eure Eltern. [Hilferruf: Hexenjagd auf Hunde in Rumänien, 18.09.2013, aufgerufen am 01.09.2020]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)
kusch · kuschen · kuscheln
kusch Interjektion mit der dem Hund (ursprünglich dem auf frz. Kommandos hörenden abgerichteten Jagdhund, vgl. frz. chien couchant ‘Vorsteh-, Hühnerhund’) befohlen wird, sich lautlos hinzulegen, Übernahme (17. Jh., zunächst noch mit frz. Schreibung) von frz. couche! (im 18. Jh. auch kusch dich!, nach frz. couche-toi!), Imperativ des Verbs frz. (se) coucher, afrz. (soi) couchier ‘sich niederlegen, ausstrecken’ (transitiv ‘niederlegen, zu Bett bringen’), von lat. collocāre ‘hinstellen, hinsetzen, niederlegen’; vgl. lat. locāre ‘stellen, legen, unterbringen, vermieten, ausleihen’ (zu lat. locus ‘Ort, Platz, Stelle’, s. lokal) und s. kon-. Neben Fügungen wie couchi machen (17. Jh.), couché machen, kusch machen, sein (18. Jh., vgl. frz. être couché ‘liegen’), die in derber Redeweise auch auf Menschen angewandt werden, tritt im 18. Jh. kuschen Vb. ‘sich niederlegen, sich ducken’, von Menschen ‘sich fügen, klein beigeben’ (oft reflexiv nach frz. se coucher); dazu die Intensivbildung kuscheln Vb. reflexiv ‘sich anschmiegen, in etw. Schützendes, Wärmendes schmiegen, einhüllen’ (um 1900), die sich jedoch semantisch an ältere Mundartausdrücke wie rhein. sich kutsche(l)n ‘sich einhüllen, anschmiegen, zusammenkauern’, tirol. gutsch’ln, gutschen ‘schlummern’, schles. (ein)kuschern ‘einschläfern’ (bezeugt seit dem 19. Jh.), ostpreuß. kutschen ‘im Bett liegen’, sich einkutschen ‘sich einhüllen’ (18. Jh.) anschließt, vgl. obd. Gutsche ‘Ruhebett’ (Ende 15. Jh.), rhein. Kutsch ‘(Kinder)bett, Lager von Tieren’ (nach afrz. frz. couche bzw. daraus entlehntem ital. cuccia ‘Bett, Lagerstatt’, s. Couch).
Zitationshilfe
„kusch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kusch#1>.

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kusch

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GrammatikAdjektiv · indeklinabel
Nebenform A gusch
Aussprache  [kʊʃ] [gʊʃ]
Grundform1kusch
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

meist A still, ruhig
Beispiele:
Herr Alfred (legt den Hörer weg und brüllt seinen Wellensittich an): Du bist jetzt gusch, i red mit Schweden! [Herr Alfred und der Schwede, 11.04.2016, aufgerufen am 01.09.2020]
[Der] Vizekanzler ist ja quasi Co‑Trainer der Regierung, die Nummer zwei. Kanzler Kurz ist Chefcoach, steht am Spielfeldrand, schaut, kusch. An ihm vorbei sprintet Assi Strache alle paar Sekunden von der Bank aufs Spielfeld, schimpft den Schiri »Speerspitze der Blinden« und droht, ihn auf die Tribüne zu schicken. [Falter, 07.03.2018]
Aber das Baby von den R[…]s habe auch ich nicht kusch gekriegt, das Baby […] hat die eigene Mutter kaum kusch gekriegt, was auf die anderen Gäste im Fischrestaurant keinen durchwegs positiven Effekt hatte. [Falter, 21.07.2010]
[Das] Saiblingsfilet wird sanft pochiert und mit Puy‑Linsen kombiniert, deren würziger Sud sich ideal dazu schmiegt […]. Dazu sautierte Herbsttrompeten, und man ist kusch und glücklich. [Der Standard, 01.12.2006]
Wie der Wirbelsturm mit zentrifugaler Kraft Verderben verbreitet, im Inneren aber ganz kusch ist und leer, drehen sich hier die heulenden Schocks eines Spannungsreißers und professionellen Angstmachers um ein Garnichts von Handlung. [Kurier, 05.09.1996]
übertragen
Phrasem:
kusch sein, sich kusch halten (= (über Unangenehmes) schweigen und sich anpassen, unterordnen o. Ä.)
Beispiele:
Management by Angst. Frei nach dem Motto: »Du fliegst, wenn du nicht gusch bist.« [News, 13.11.2008]
Aber was tun die Migranten, denen das Gefühl vermittelt wird »sei froh, dass du arbeiten darfst und sei kusch«? Tausende Migranten werden in Österreich nicht entsprechend belohnt, mit dem Lohn der ihnen zusteht, werden schwarz beschäftigt und sind dadurch auch nicht kranken‑ und sozialversichert. [ORF, 19.10.2015]
Soll man über den Holocaust reden oder besser »gusch sein«? [Augustin, 10.06.2015]
Dann hält man sich kusch, man passt sich an, man lässt wieder mit sich machen, wie früher. [Die Welt, 15.04.2010]
Von der SPÖ hört man keinen rufen: Nicht in meinem Namen! Da mach ich nicht mehr mit! Na (= nein), da sind alle kusch, nichts sehen, nichts hören, nichts spüren. [Falter, 30.06.2010]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„kusch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/kusch#2>.

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